Projekt -Blog zum neuen "Place To Be" der Internetszene Hamburgs.

1,2 Jahre Internet-Insel – Ein Status

Geburtstagskerzen für die Internet-Insel

Was Anfang Oktober letzten Jahres mit der einfachen Suche nach einer Bürogemeinschaft begann, hat eine ganze Stadt in Aufruhr gebracht – die Idee zur „Internet-Insel Hamburg“. Nach über einem Jahr ist es Zeit für einen Status.

Die ehemalige Spiegel-Insel steht seit Ende September 2011 leer. Die Eigentümerin IVG hat das sanierungsbedürftige Ensemble in einem geheimen Bieterverfahren an die Hochtief verkauft. Die an der Internet-Insel sehr interessierte Investorin HIH Hamburger Immobilien Handlung wurde dabei leider überboten. Erste Gespräche mit der Hochtief waren offen und freundlich, aber wenig konkret.

Aber wo steht die Internet-Insel jetzt?

Bezirksamtsleiter Andy Grote hat gegenüber der Hochtief nochmals ausdrücklich betont, dass es sich bei dem Areal der ehemaligen Spiegel-Insel um einen Standort handelt, an dem besonders auf das Konzept für den Standort Wert gelegt wird. Das Konzept muss in das Gesamtkonzept der Stadtentwicklung passen und eine normale Bürogebäudebebauung gibt es schon genug. Außerdem betonte er, dass die Bezirksversammlung einen Beschluss zur Internet-Insel gefasst hat und sein Auftrag sei es, diesem Beschluss Rechnung zu tragen.
Auch die Bezirksversammlung hat im direkten Gespräch mit der Hochtief nochmals den Beschluss bekräftigt und die Wichtigkeit des Projekts für Hamburgs digitale Wirtschaft heraus gestellt.
Mit der Hochtief wurde vereinbart, dass sie bis Ende des Jahres einen Zeitplan für die Vermarktung und entsprechende Preise vorlegen wird. Es wurde noch mal deutlich gemacht, dass ein Preisniveau mit einem Durchschnitt von 16,50 €/qm (damit sind Flächen ab ca. 12,50 €/qm bis rund 22,00 €/qm in den obersten Etagen realisierbar) das Maximum für das Konzept ist.
Wir sollten also in den kommenden zwei Wochen weitere Informationen von der Hochtief erhalten.

Gibt es Alternativen zur ehemaligen Spiegel-Insel?

Die Suche nach Alternativen lief und läuft nach wie vor. Wollen wir hier in Hamburg wirklich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil schaffen, ist das mit hohen Anforderungen an die Immobilie und den Standort verbunden. Die namhaften Internet-Unternehmen sitzen alle rund um den Gänsemarkt bzw. innerhalb des Wallrings. Die Nähe zu diesen Unternehmen ist ebenso zentraler Punkt für die Standortsuche, wie die Immobilie selbst. Wenn man dem Anspruch gerecht werden möchte, einem Freelancer einen angemessenen und bezahlbaren Areitsplatz bieten zu können und auf der anderen Seite die erfolgreichen großen Unternehmen an den selben Standort holen möchte, geht der Weg an einem Campus kaum vorbei. Ein börsennotiertes Unternehmen hat andere Ansprüche an eine Konzernzentrale als ein drei-köpfiges Team, dass auf der Suche nach der neuen Geschäftsidee ist. Entsprechendes müssen die Gebäude auf dem Campus hergeben. Aber auch das Rahmenprogramm wie Fitnessstudio, Cafes, Restaurants, Geschäfte oder Veranstaltungsräume müssen entsprechenden Platz finden und auf das Zielpublikum zugeschnitten sein. Mitarbeiter in Internet-Unternehmen sind außerdem meistens keine typischen „nine-to-five“ Menschen, sondern arbeiten auch mal deutlich länger. Dafür muss das Umfeld stimmen – es muss immer noch die Möglichkeit geben nach Feierabend gemeinsam etwas trinken zu gehen oder einen Club zu entern. Das Areal der ehemaligen Spiegel-Insel erfüllt all diese Anforderungen.
Es gibt einige andere Überlegungen, die hier in diesem Blog in Kürze vorgestellt werden. Die meisten davon sind aber eher Projekte vom Reissbrett und würden noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Das „DoppelXX“ wäre das perfekte Gebäude, doch leider steht es in der City-Süd, die für viele Internet-Unternehmen einfach nicht in Frage kommt.

Was kann Hamburg in der Zwischenzeit tun?

Wir haben einen Leerstand bei Gewerbeimmobilien von fast 8%, teilweise in sehr guten Lagen und teilweise mit langjährigen Leerständen. An dieser Stelle ist ein Umdenken der Immobilienbranche gefordert. Den typischen 20-Jahresmietvertrag mit einem Hauptmieter für ein komplettes Gebäude ist eine aussterbende Spezies. Der Bedarf an flexiblen Mietverträgen mit kurzen Laufzeiten und kleinere Flächen ist riesig und wächst stetig. Bis sich die Immobilienbranche auf die neue Situation eingestellt hat, würde ein pfiffiges Konzept zur Sicherung von Ausfallrisiken der richtige Wegs sein. Vielleicht ist dieses der Punkt, an dem die Stadt eine Anschubfinanzierung mittels Mietsicherheit leisten kann.

Was passiert in Berlin?

Immer wieder fällt der Blick auf die quirliege Hauptstadt mit ihren bunten Start-Up Szene. Nach wie vor wird behauptet, dass zwar in Berlin viel los sei, aber in Hamburg letztendlich Geschäfte gemacht werden. Sich auf diesem Standpunkt auszuruhen wird fatale Folgen haben. Etwa drei Monate nachdem die Idee der Internet-Insel geboren war, kam in Berlin das Konzept der Start-Up Factory ans Licht. Ein ähnliches Konzept, 1/3 so groß und mit großerem Fous auf Startups. Vom Techcrunch-Bericht bis zum Besuch des Bundespräsidenten sind die Wogen hoch geschlagen. Die Umsetzung hat dort bereits begonnen. Auch Google ist mit einer Investition von 1 Mio. € mit dabei – warum funktioniert soetwas nicht in Hamburg?

Dann warten wir mal ab…

Ersteinmal werden der Zeitplan und das Preisgefüge der Hochtief abgewartet. Ob die Hochtief im vereinbarten Preisbereich bleibt, wird sich zeigen.Selbst stellt sich die Hochtief gerne als Stadtentwickler dar – nun hat sie eine Chance dieses zu beweisen: wird das ehemalige Spiegelareal zu normalen Bürokomplexen (überteuerte Highend Büros gibt es in Hamburg genügend, viele stehen leer und angefangene Vorhaben in der HafcenCity wurden bereits gestoppt) oder wird die Hochtief ihrer eigenen Maxime gerecht?

  1. Moritz AvenariusMoritz Avenarius12-07-2012

    Moin bstorm,

    danke für das update!

    Allerdings etwas schnell geschrieben wie es scheint, bin über diverse Formulierungsfehler gestolpert. Die Start-up Factory etwa steht in Berlin, nicht Hamburg …

    Dennoch wichtiger Beitrag!

    Grüße Moritz

    • BenjaminBenjamin12-07-2012

      Danke Moritz. Da waren in der Tat noch ein paar Fehler drin. Falls Du noch einen findest, immer her damit.

  2. HansHans12-07-2012

    @Moritz: Klugscheißer. Besser mithelfen anstatt dumm kommentieren…

    • BenjaminBenjamin12-07-2012

      Danke Hans für Deine Unterstützung. In diesem Fall nehme ich Moritz gerne in Schutz – er hat der Interet-Insel bereits tatkräftige Untertsützung zukommen lassen.

  3. HeikoHeiko12-14-2012

    Hallo Benjamin,
    Danke für dieses Status Updates. Leider erwarte ich von HochTief (Elbphilharmonie ) nicht wirklich viel…

    Grüße Heiko

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